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Schlussendlich kreativ

Christian Beck

Man kann kritisieren, dass SRF immer mehr Inhalte nur im Internet verbreitet. Man kann aber auch erstaunt zur Kenntnis nehmen, dass da nicht irgendein Abklatsch oder Zusammenschnitt online gestellt wird, sondern mitunter auch echt Sehenswertes. So geschehen dieser Tage.

Am Montag startete die neue doku-fiktionale Webserie «Schlussendlich lesbisch/schwul» von Radio SRF Virus. Darin erzählen Menschen, wie sie sich von einer heterosexuellen Beziehung gelöst haben und heute in einer homosexuellen Beziehung leben. Den Start macht Ex-Miss-Schweiz Dominique Rinderknecht, die zusammen mit ihrer Schwester Noemi auf dem Interview-Sofa sitzt.

Was jetzt kommt, ist nicht einfach ein Interview – welches per se schon unterhaltsam genug wäre. Sondern: Einzelne Rückblenden werden von Schauspielerinnen und Schauspielern nachgestellt. Soweit ist das ja noch nichts Besonderes. Der Clou dabei: Die Schauspieler bewegen ihre Lippen synchron zum Originalton aus dem Interview. Schwierig zu erklären, das sollten Sie sich ansehen:


Mag sein, dass diese Erzählform schon mal irgendwo aufgetaucht ist, für mich jedenfalls ist sie komplett neu. In der Umsetzung muss das ziemlich aufwendig sein – schliesslich muss das Interview zuerst geschnitten werden, dann muss man sich entscheiden, welche Szenen nachgestellt werden, es braucht Locations und Schauspieler, die dann wiederum lippensynchron die Interview-Passagen nachsprechen, dann das Ganze wiederum im Schnitt synchron über das Interview legen und so weiter … Sieht locker-flockig aus im Endprodukt, da steckt aber jede Menge Arbeit dahinter.

Ich finde diese Art von Rückblende unglaublich kreativ. SRF hat es geschafft, dass mir die Spucke wegbleibt und ich nur noch sagen kann: Chapeau! Ich freue mich auf die weiteren Folgen. Die lassen zwar bis im Spätherbst auf sich warten. Kein Wunder. Gehen die Fortsetzungen auf diesem Niveau weiter, kann es gut sein, dass ich mich zusammen mit SRF Richtung YouTube bewege.



Christian Beck ist Redaktor bei persoenlich.com.

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Kommentare

  • Benno Gasser, 24.09.2020 10:46 Uhr
    Wirklich gelungen. Aardman Animations hat in der Serie "Creature Comforts" bestehende Interviews zwar nicht mit Schauspielern, aber dafür mit animierten Knetfiguren verfilmt. Sehenswert.
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