27.09.2020

Kritik an SRF-Strategie

Bürgerliche Politiker verlangen Klärung

CVP-Nationalrat Philipp Kutter glaubt, SRF verstosse gegen die in der Verfassung verankerte Rücksichtnahme auf die Privaten. Er hat zusammen mit sieben Mitunterzeichnern eine Interpellation eingereicht.

Die «Strategie 2024» von SRF, künftig stark auf Online zu setzen, beschäftigt nun auch die Politik. Damit verstosse das öffentliche Medienhaus gegen die in der Verfassung verankerte Rücksichtnahme auf die privaten Anbieter, sagt CVP-Nationalrat Philipp Kutter in einem Artikel der NZZ am Sonntag (online nicht verfügbar). «Im Internet steht das gebührenfinanzierte SRF in direkter Konkurrenz mit privaten Medienunternehmen.» Gemeinsam mit Nationalräten aus SVP und FDP will Kutter vom Bundesrat in einer Interpellation wissen, wie dieser sicherstellt, dass die SRG online die Privaten nicht unterminiert.

Sieben Mitunterzeichner

Die sieben Mitunterzeichner sind: Frédéric Borloz, Philipp Matthias Bregy, Franz Grüter, Lars Guggisberg, Romano Marco, Gregor Rutz und Christian Wasserfallen. In der NZZaS kommt zudem der Verlegerverband zu Wort. Geschäftsführer Andreas Häuptli sagt: «Es gibt immer mehr Überschneidungen zwischen den Angeboten von SRF und Privaten.»

Keine Unterstützung hingegen findet der Vorstoss auf der linken Ratsseite. SP-Nationalrat und Medienpolitiker Matthias Aebischer sagt, die Regeln seien klar definiert. Er will der SRG keine weiteren Steine in den Weg legen. «Es braucht eine starke SRG, die einen qualitativ hochstehenden Journalismus betreibt», so Aebischer in der NZZaS.

Die Diskussionen um die SRG-Onlinestrategie waren vor allem deswegen aufgeflammt, weil SRF offenbar plant, mit ihrer News-App den Newsportalen der privaten Schweizer Medienhäuser Marktanteile abzugraben. Bald solle die Hälfte der Deutschschweizer die SRF-News-App täglich nutzen. Dies berichtete kürzlich die NZZ mit Verweis auf interne Informationen (persoenlich.com berichtete).

Eine von «vielen internen Analysen»

Die SRF-Medienstelle teilt gegenüber der NZZaS mit, die NZZ habe aus «einer von vielen internen Analysen» zitiert und nicht aus einem Beschlussdokument. Man wolle die «eigenen Kernangebote im Service public ausbauen, nicht Angebote von Privaten schwächen». Das Ziel von 50 Prozent Nutzern bestätigt sie nicht. SRF werde online auf Audio und Video ausgerichtet bleiben und die Inhalte den Privaten zur Verfügung stellen. Diese könnten das Material dann in ihre Websites einbinden und erst noch im Umfeld Werbung verkaufen. (eh)



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Kommentare

  • Thomas Läubli, 28.09.2020 03:24 Uhr
    Ich bin radikal dagegen, dass Inhalte frei zur Verfügung gestellt werden, nur damit die Werbebranche davon profitieren kann. So wurde ja bereits das Urheberrecht von rechten Lobbyisten ausgehöhlt, die meinen, dass Künstler gefälligst alles gratis zur Verfügung stellen sollen, weil sie noch irgendwie "Schmarotzer der Gesellschaft" sind. Dabei ist es gerade umgekehrt, dass neoliberale Schmarotzer parasitär von Künstlern und Autoren profitieren wollen. Es erstaunt mich daher nicht, dass die SVP und der Rechtsfreisinn für solche Vorstösse sind. Es kommt noch hinzu, dass die Privaten meistens qualitativ unterirdisch sind. Dass da von Bürgerlichen überhaupt Überschneidungen vermutet werden, zeigt nur, wie wenig Ahnung sie von den Inhalten haben und dass es ihnen letztlich nur um den Profit geht.
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