18.05.2020

Ringier

«Ein Journalist bleibt Journalist, sein Leben lang»

Eine «lebende Legende» sei er, sagt Michael Ringier. Zum Geburtstag blickt Fibo Deutsch auf seine 60 Jahre bei Ringier zurück.
Ringier: «Ein Journalist bleibt Journalist, sein Leben lang»
60 Jahre «Fibo» Deutsch bei Ringier – nun zieht er sich aus dem operativen Geschäft zurück. (Bild: Ringier)
von Matthias Ackeret

Herr Deutsch, Sie haben 60 Jahre bei Ringier gearbeitet. Welches war für Sie die spannendste Zeit?
Jeder der verschiedenen Aufgaben, die sich mir in diesen Jahren stellten, hatten ihre eigene, besondere Faszination.  Das aufregendste, das wichtigste Projekt, das den grössten Einsatz verdiente, war immer das jeweilig aktuelle. Ob als Polizeiberichterstatter für den Blick beim Milieumord, ob Chefredaktor, ob Mitglied der Konzernleitung oder als Produzent einer Spendengala im Fernsehen für krebskranke Kinder. Speziell und nachhaltend war für mich die Fusion der Sie+Er mit der Schweizer Illustrierten 1972: Bei dieser Verschmelzung lernte ich meine Frau kennen, mit der ich jetzt 44 Jahre verheiratet bin.

Welches war Ihre beste Story?
Ich bin vielleicht nicht der beste Schreiber, tauge nichts als Fussballer. Aber ich habe die Nase dafür, wer die beste Story liefert, wer das entscheidende Tor schiessen kann. Diese Leute versuchte ich für mich zu gewinnen. Auf diese Weise habe ich viele beste Stories bekommen und Treffer erzielt.

Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Arbeitstag?
Es war im Frühling 1960, in der Leserbriefabteilung des Blick, im Dachgeschoss der Redaktion an der Dianastrasse 6 in Zürich. Mit der Beantwortung von Leseranfragen sollte ich meine künftigen Kunden besser kennenlernen.

Sie haben ursprünglich ein Medizinstudium begonnen. Wann entschlossen Sie sich, in den Journalismus zu wechseln?
Erste Zweifel am Studium kamen mir, als es mir in der Physikvorlesung nicht gelang, die Berechnung des Auftriebes an einem Flügelprofil zu verstehen. Ein Schulkollege lockte mich zu einem Schnupperbesuch in eine Redaktion: Sein Vater war der Chefredaktor des Blick.

Sie sind Ringier immer treu geblieben. Hatten Sie nie Abwanderungsgelüste oder Angebote von Konkurrenzverlagen?
Ringier war in all den Jahren für mich das Unternehmen mit den unbegrenzten Möglichkeiten. Man hat mir die unterschiedlichsten Projekte anvertraut, ich konnte Erfolge verbuchen – man hat mir aber auch Flops verziehen. Mich interessierte nicht eine lebenslange Stellung, mich interessierten Jobs, Aufgaben. Es gibt kein Stockwerk im Pressehaus, in dem ich nicht irgendwann für einige Zeit meinen Arbeitsplatz gehabt hätte.

Sie waren immer begeisterter Erstnutzer von neuen Technologien. Ein Hobby oder mehr?
Informationen sind für uns Journalisten so wichtig wie die Luft zum Atmen. Die Übermittlungstechniken entwickelten sich in den letzten 60 Jahren explosiv, sie erleichterten unsere Arbeit elementar. Ich erlebte die Einführung von Telex, Fax, von Natel und Handy, vom Farbfernsehen bis zu den ersten Computern in der Redaktion. Die Triebfeder? – Die DNA eines jeden Journalisten: Neugierde.

Nochmals Rückblick: Würden Sie heute etwas anders machen?
Nein. Ich halte es mit dem Motto aus der Operette «Die Fledermaus»: «Glücklich ist, wer vergisst, was nicht mehr zu ändern ist.»

In unserer Branche nennt man Sie seit jeher «Fibo». Hat Sie dieser Übername nie gestört?
Nein. In den Anfängen des Blick trugen die meisten in der Redaktion praktische Rufnamen. Hauptsache: Kurz und klar.

Und jetzt, wollen Sie wirklich aufhören?
Ein Journalist bleibt Journalist, sein Leben lang. Das hängt nicht von einem Vertrag ab. Es soll schon Kollegen gegeben haben, die sich erkundigten, ob ihr Friedhof WLAN-Empfang hat...

Haben Sie für Ihren Geburtstag vom Dienstag, 19. Mai etwas Spezielles geplant?
Covid-19 setzt auch hier allen üblichen Feierlichkeiten für dergleichen Anlässe Grenzen. Ich halte es mit der Empfehlung des braven Soldaten Schwejk und sage allen, die es interessiert: Wir sehen uns nach Corona, um 17 Uhr...



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Kommentare

  • Markus Schärli, 22.05.2020 14:47 Uhr
    Lieber Fibo Ebenfalls herzlichen Glückwunsch. Ich kann mich noch gut an einen Ratschlag erinnern, den du mir vor Jahren gegeben hast und den ich später dem einen Kollegen oder andern Kollegin weitergegeben habe. "Manchmal rollt das Schicksal wie ein Schnellzug im Tunnel heran. Dann gibt es nichts anderes als sich an die Tunnelwand zu drücken, warten bis der Zug vorbeigerauscht ist und dann unbeirrt seinen Weg weitergehen." Manchmal wäre es einfach ungesund, sich einem Zug in den Weg zu stellen - mit deinem Tipp wird man älter. Ich wünsche dir weiterhin spannende Jahre - und bis um 17 Uhr.
  • verena sebald, 20.05.2020 12:05 Uhr
    lieber fibo - herzlichen Glückwunsch zu deinem Geburtstag. bleib wie du bist und vor allem gesund - verena sebald
  • Markus Meier, 19.05.2020 13:15 Uhr
    Fibo Deutsch, ein toller Journalist, von dem ich während meiner 11 Jahre bei Ringier und im Medienverbund Gesundheit Sprechstunde sehr viel gelernt habe. Wie man knackige Titel und Lead schreibt - und noch einiges mehr. Danke, Fibo, sowie alles Gute und viel Glück zum Geburtstag!
  • Felix Filax Aeberli, 19.05.2020 08:25 Uhr
    Lieber Fibo Auch hier nochmals; HERZLICHE GLÜCKWÜNSCHE!

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