26.11.2020

Sexuelle Belästigung

Hat Gilles Marchand genug unternommen?

Tamedia berichtet über Dokumentationen von Vorfällen, die damals auch dem heutigen SRG-Generaldirektor Gilles Marchand vorgelegen hätten. Marchand ist zutiefst schockiert über das «völlig inakzeptable Verhalten».
Sexuelle Belästigung: Hat Gilles Marchand genug unternommen?
Der SRG-Generaldirektor und ehemalige RTS-Direktor Gilles Marchand sagt, von dem, was nun vorliege, habe er damals nichts gewusst. (Bild:Keystone/Anthony Anex)

Bei RTS ist die Stimmung getrübt. Nach den Berichten über sexuelle Belästigungen und Mobbing machen immer mehr Mitarbeiterinnen ihre Erfahrungen öffentlich, sei es über eine Zettel-Aktion (persoenlich.com berichtete) oder über Social Media.

In einem Artikel bringen nun die Tamedia-Zeitungen erneut die Frage auf, wie viel der damalige RTS-Chef und heutige SRG-Direktor Gilles Marchand gewusst hatte und wie er seine Verantwortung wahrgenommen hatte.

Marchand müsse «vieles gewusst» haben

Wie die Tamedia-Redaktion schreibt, hatte sie Einsicht in «diverse Schreiben an die RTS-Direktion», die zeigen würden, dass Marchand «vieles gewusst» haben müsse. Bestimmte Schreiben, adressiert an den RTS-Personalchef, habe Marchand als Kopie erhalten. Ebenso solche der Mediengewerkschaft SSM, wo es hiess: «In mehreren Fällen scheinen uns die Zeugenaussagen auf Formen von Mobbing und Angriffe auf die Persönlichkeitsrechte hinzudeuten. Die Betroffenen fühlen sich erniedrigt und herabgesetzt. (...) Acht Betroffene sind bereit, in einer externen Untersuchung auszusagen.»

Weil diese Kontakte zu wenig fruchteten, hätten sich im November 2014 drei führende SSM-Gewerkschafter direkt an den damaligen RTS-Direktor Marchand gewandt. Laut Tamedia schrieben sie: «Der Fall des Kadermanns wirft nach wie vor eine Reihe von Fragen auf, sowohl über die interne Behandlung solcher Fälle als auch über die Werte des Unternehmens.» Irritiert seien sie zudem darüber gewesen, dass die RTS-Direktion den kritisierten Kadermitarbeitenden «Robert» befördert hatte.

Gilles Marchand sei zutiefst schockiert

Die SRG verweist auf Anfrage von persoenlich.com auf die externen Untersuchungen, die sie in Abstimmung mit SSM initiiert hatte (persoenlich.com berichtete). «Wir warten deren Ergebnisse ab und werden dann entsprechende Massnahmen umsetzen», schreibt SRG-Medienchef Edi Estermann am Donnerstagnachmittag auf Anfrage.

Gilles Marchand sei im Herbst 2014 darüber informiert worden, dass es Vorwürfe gegenüber dem Kadermitarbeitenden «Robert» bei RTS gab. Die Vorwürfe seien durch die Personalabteilung von RTS für den Zeitraum, in welchem «Robert» bereits eine leitende Funktion innehatte (2012 bis 2014) durch eine externe und unabhängige Fachstelle untersucht worden. Sie hätten sich damals nicht erhärten lassen, so Estermann.

Was jetzt vorliege, habe man damals nicht gewusst: «Die nun neu aufgebrachten, konkreten Vorwürfe für den Zeitraum vor 2012 waren zu jenem Zeitpunkt nicht bekannt.» Gilles Marchand sei zutiefst schockiert über das völlig inakzeptable Verhalten, das dem Moderator und den beiden anderen Mitarbeitenden zur Last gelegt wird. «Er verurteilt derlei Verhalten aufs Schärfste.»

Voraussichtlich im Februar 2021 sollen Sozialpartner, Mitarbeitende und die Öffentlichkeit über die Untersuchungsergebnisse informiert werden. (eh)

 

 

 



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