09.10.2019

Radio Planet 105

Kritik an der Konzessionsübertragung

Syndicom und das Schweizer Syndikat Medienschaffender nehmen in der Anhörung des Bakom gemeinsam Stellung.

Die Veranstalterkonzession von Planet 105 soll auf Gesuch des bisherigen Inhabers Roger Schawinski beziehungsweise seiner Radio 1 AG an Tamedia übertragen werden. Tamedia beabsichtigt, den Sender in «20 Minuten»-Radio umzubenennen und möchte die Veranstalterkonzession bis Ende 2024 verlängern. Der Sender soll aber weiterhin durch Radio 1 betrieben werden, mittels eines Dienstleistungsvertrags mit der Tamedia (persoenlich.com berichtete).

Als Interessensvertretung der Medienschaffenden lassen sich die beiden Gewerkschaften Syndicom und das Schweizer Syndikat Medienschaffender (SSM) «gegenüber der verschachtelten Übertragung» kritisch vernehmen, wie es in einer gemeinsamen Mitteilung heisst. Massgebende Fragen seien im Gesuch der beteiligten Unternehmen nicht beantwortet.

So hinterfragen die Gewerkschaften die Arbeitsbedingungen und das Betreuungsverhältnis der Praktikantinnen. «Gibt es auf der Redaktion von ‹20 Minuten›-Radio genügend ausgebildete Berufsleute, die das Heer von Praktikantinnen und Praktikanten professionell begleiten kann?» Auch sei in den Unterlagen «etwas gar vage festgehalten», seien Aus- und Weiterbildungen in Form von internen Workshops und Seminaren vorgesehen – wie auch eine Zusammenarbeit mit dem MAZ. «Doch wie viele Mitarbeitende dürfen den anspruchsvollen MAZ-Lehrgang Journalismus besuchen? Wer bezahlt die für junge Menschen mit kleinen Einkommen besonders teuren Lehrgänge?»

In der Mitteilung wird ferner auf die Programmanalyse 2018 verwiesen, aus der hervorgehe, dass Planet 105 «zu den Sendern mit der geringsten Informationsproduktion gehört». Der Info-Anteil mache nur rund 3 Prozent der Sendezeit aus, weniger als ein Viertel davon beziehe sich auf das eigene Konzessionsgebiet. «Das Gesuch verliert kein Wort darüber, mit welchen Massnahmen Gegensteuer gegeben werden könnte», so die Gewerkschaften. Und schliesslich seien Fragen bezüglich «Grenzziehung zwischen kommerzieller Werbung und redaktionellem Inhalt» noch offen. Im vorgelegten Gesuch würden sich dazu keine Informationen finden.

Es sei «fraglich, wie die Redaktion den anspruchsvoll tönenden Programmauftrag erfüllen kann». Die Senderverantwortlichen und Tamedia seien aufgefordert, vor einer Konzessionsübertragung überzeugende Antworten auf diese Fragen zu liefern, schreiben die Gewerkschaften. (pd/cbe)



Hier finden Sie die Stellungnahme der Gewerkschaften im Originalwortlaut.



Kommentar wird gesendet...

Kommentare

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Anzeige
Zum Seitenanfang20191014

Die Branchennews täglich erhalten!

Jetzt Newsletter abonnieren.