TV-Kritik

Tele D als Kleinod in der TV-Landschaft

Wer nicht in den Kantonen Thurgau, Schaffhausen oder St. Gallen lebt, hat wohl höchstens mal zufällig bei Tele D reingezappt. Obschon der kleine Diessenhofer Sender seit ein paar Jahren auch von UPC verbreitet wird. Tele D wurde bereits 1985 vom früheren Primarlehrer Peter Schuppli auf die Beine gestellt und ist somit das älteste Lokalfernsehen der Schweiz. TeleZüri startete erst neun Jahre später.

«Ich bin stolz auf die beeindruckende Arbeit und das, was Peter Schuppli geschaffen hat», sagte alt Bundesrat Adolf Ogi kürzlich in einem Talk von Tele D. Der Berner Oberländer war damit zum 12. Mal(!) Gast bei dem Ostschweizer Fernsehen. Seit Ogis Besuch in Diessenhofen TG in den 1980er-Jahren besuchten sämtliche Bundesräte die Thurgauer Studios. Respekt.

Kein anderer Lokalsender bringt so viele Talksendungen wie Tele D. In verschiedenen Gefässen bekommen regelmässig Menschen aus Politik, Wirtschaft, Sport und Unterhaltung Gelegenheit, sich «auszusprechen». Nicht alles ist aufregend. In der Gesprächsreihe «Bund im Fokus» wurde der gesprächige SP-Ständerat Hans Stöckli letzthin vom früheren «Blick»-Bundeshausredaktor Georges Wüthrich befragt. Es ging um die Arbeit der Verwaltungskommission beider Räte. Sorry, wenn interessiert das in diesen bewegten politischen Zeiten? Und kurz vor den Eidgenössischen Wahlen?

Immerhin werden aktuell alle Parteipräsidenten befragt. Mit Abstand am besten macht das der «alte» Profi Peter Hartmeier. Der frühere Tagi-Chefredaktor stellt die richtigen Fragen. Und im Gegensatz zu seinen treuherzigen Kollegen auch kritische. Für den Zuschauer gelohnt hat sich unlängst auch Hartmeiers «Besuch bei...»-Gespräch mit dem inzwischen handzahmen Christoph Mörgeli, der für die SVP wieder in den Nationalrat möchte.

Leider sind es ausschliesslich Männer, welche durch die Talks von Tele-D führen. Wo bleiben die Frauen, lieber Programmchef Schuppli? Neben Peter Spuhler, Viktor Giacobbo und dem ehemaligen SP-Präsidenten Hans-Jürg Fehr sitzt immerhin eine Dame im Stiftungsrat der Senders: die einstmalige SRF-Ansagerin und Moderatorin Silvia von Ballmoos. Warum gibt es in Diessenhofen keine Sendung für die Thurgauerin?

Bemerkenswert und beifallswürdig: Die gegen 40 motivierten Mitarbeiter des überwiegend erfrischenden Lokalsenders arbeiten ehrenamtlich, verdienen keinen Rappen. Fazit: Ase schöö, dass es in der hastigen Fernseh- und krisengeschüttelten Medienlandschaft ein Lokalprogramm wie das von Tele D noch gibt.


René Hildbrand
René Hildbrand ist Journalist, langjähriger Fernsehkritiker und Buchautor. Während 27 Jahren war er für «Blick» tätig, danach Chefredaktor von «TV-Star».

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