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ZUM LIVE AUFTRITT VON TIGER WOODS

Marcus Knill

Das Statement des angeschlagenen Golfprofis Tiger Woods war so, wie ich es erwartet hatte. Es war inszeniert, gut vorbereitet und der Spitzensportler hielt sich streng an die Rede seines Ghostwriters. Ich bin überzeugt, dass die Rede in allen Details eingehend geübt und antrainiert worden ist. Die Pflichtübung hat Woods rhetorisch erstaunlich gut bestanden. Er wird sicherlich von seinem Trainer gute Noten erhalten. Kommentar und Beobachtungen: Die PR Berater  der Spitzensportler werden ihr Ziel erreicht haben. Ich vermute, dass die Bevölkerung die Einsicht des Profisportlers abgenommen hat und kaum merkte , dass der Auftritt in allen Details  perfekt inszeniert worden war: Die Kleidung passte  zum reuigen Sünder. Ohne Werbemütze - mit blossem Haupt. Es fehlte nur noch die Asche drauf. Stimme und Emotionen stimmten mit der Botschaft überein. Wie bei Clinton, der bei der Befragung (Monika- Geschichte) von verschiedenen Profis hervorragend gecoacht wurde und sogar falsche Sachverhalte so vermitteln konnte, als sei es die Wahrheit, so präsentierte Tiger Woods  sein Statement ebenso glaubwürdig, so glaubwürdig, dass er vermutlich beim Publikum  gut ankommen wird. Dieser Auftritt ist ein Musterbeispiel guter Inszenierung, professioneller Steuerung der öffentlichen Meinung, zudem mit gestellten ausgewählten Bildern. Alles war perfekt inszeniert: Das Publikum wurde gezielt ausgewählt und es durften auch keine Fragen gestellt werden! Obschon die Rede wortwörtlich abgelesen wurde - auf einer Bühne (vor einem dunkelblauen Vorhang - hinter einem Pult) brachten es die Ghostwriter fertig, den Redner sich als einsichtigen sexkranken Menschen darstellen zu lassen, der bereit ist, sich therapieren zu lassen und wieder zum Sport zurück zukehren, wenn er seine innere Balance gefunden habe. Ich habe recherchiert und erkannt, dass viele Leute Woods  Aussagen abgenommen hatten. Es ist durchaus möglich, dass seine Einstellung mit der vorgefertigte Rede übereinstimmte. Deshalb machte es  auch nichts, dass der reuige Sünder das Publikum nie richtig angeschaut hat. Bei einer zentralen Stelle blickte Woods gezielt in die Kamera und nahm dadurch bewusst Kontakt auf mit dem Fernsehpublikum. Dieser Auftritt zeigt einmal mehr: Es sind nicht Kommunikationsberater, die entscheiden, ob jemand überzeugt. Es ist letztlich immer das Urteil des Publikums, das zählt. Dass der einsichtige Sportler alles abgelesen hatte, wird möglicherweise kaum  gestört haben. Denn: Tiger Woods versenkte sich in die abgelesene Botschaft. Wer sich in den Text aktiv versetzen kann, kann auch so überzeugen. Auch wenn jemand wie Woods  statisch und gestiklos spricht FAZIT: Ich vermute, dass das Publikum die perfekte Inszenierung nicht gestört hat. Die ersten Echos bestätigen mir, dass Woods Statement glaubwürdig war und seine Entschuldigung echt wirkte. Der Auftritt war ruhig (Stimme) Die Emotionen waren spürbar vor allem bei der (inszenierten?) Umarmung der Mutter. Die Kernbotschaft (Schuldeingeständnis - ich bin krank, war sexsüchtig  und werde mich jetzt fertig therapieren lassen. Ich werde das Gleichgewicht mit meiner Frau und den Kindern suchen) wurde geschickt wiederholt und dadurch fixiert. Obschon der Text nicht FREI vorgetragen wurde, hatte ich das Gefühl, dass sich der Spitzensportler  in seine Botschaft glaubwürdig versenkte. Selbst wenn es nur gespielt wäre, wirkte der Auftritt echt. Die bescheidene Kleidung und das blosse Haupt stimmte mit der Büsserstimmung überein. Es ist durchaus möglich, dass es den PR Berater gelungen ist - mit diesem gut vorbereiteten und gebrieften Auftritt - das Image des angeschlagenen Golfprofis zu verbessern. Entscheidend ist und bleibt jedoch der Tatbeweis. Aendert sich der "Sünder" nicht und wird er beispielsweise rückfällig, so hat er die mühsam erarbeitete Glaubwürdigkeit mit einem Wisch endgültig verloren.
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