10.05.2021

Gute Digitalisierung

Doris Leuthard lanciert Trust-Label für Apps

«Es braucht Grenzen, bei denen der Staat sagt: bis hierhin und nicht weiter!», sagt die Alt-Bundesrätin. Als Testpartner an Bord sind Axa, Swiss Re, CS, Booking, IBM Switzerland und die Swisscom.

Ethische Standards in der digitalen Welt: Alt-Bundesrätin Doris Leuthard lanciert am Montag in einem Interview mit der NZZ das Digital-Trust-Label. Es ist ein Projekt der Digital Swiss Digital Initiative, die Idee wurde erstmals am World Economic Forum vom Januar 2020 in Davos präsentiert (persoenlich.com berichtete). Nun nimmt das ganze Formen an. Das Digital-Trust-Label sei bereits «sehr weit vorangetrieben», als Testpartner sind Axa, Swiss Re, CS, Booking, IBM Switzerland und die Swisscom an Bord.

Bei der Zertifizierung, die international ausgerollt werden soll, handelt es sich um Art «Bio-Label für Apps, das einen minimalen Standard garantiert», so Leuthard. Die Firmen müssten die Algorithmen im Hintergrund ihrer Apps offenlegen, so dass die Spezialisten des Trust-Labels prüfen können, wie gut Anwendung abschneidet und zwar hinsichtlich der vier Punkte: Sicherheit, Privatsphäre, Verlässlichkeit und Fairness.

«Trotzdem wirtschaftsfreundlich»

Leuthard ist überzeugt, dass solche freiwilligen Minimal-Standards nötig sind: «Es braucht Grenzen, bei denen der Staat sagt: bis hierhin und nicht weiter! So, wie dies heute etwa bei medizinischen Forschungsaktivitäten der Fall ist. Ich sehe zum Beispiel beim Datenschutz und der künstlichen Intelligenz einen Bedarf an Regulierung. Nimmt ein Unternehmen die Datensicherheit nicht ernst, muss es Folgen haben.»

Solche strengeren Auflagen seien auch nicht wirtschaftshemmend, im Gegenteil: «Selbst grosse Tech-Unternehmen wie Apple haben mittlerweile die Wichtigkeit von Datenschutz erkannt und ergreifen freiwillige Massnahmen», so die Alt-Bundesrätin in der NZZ.

Angesprochen auf die Mängel in Sachen Digitalisierung beim Bund, sagt Leuthard, die Defizite beim Bundesamt für Gesundheit hätten sie nicht überrascht. «Die digitale Verwaltung kam nie richtig zum Fliegen. Es gibt zwar Ämter mit guter IT, aber bei anderen harzt es.» Der Bundesrat müsse nun «das Schiff auf Kurs bringen». «Wir haben schon viel Zeit verloren». (eh)

 

 



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