14.06.2021

Hostpoint

«Wir hatten den richtigen Riecher»

Der grösste Schweizer Webhosting-Provider feiert sein 20-Jahr-Jubiläum. Mittlerweile verwaltet Hostpoint rund 800'000 Domains. «persönlich» hat sich am Firmensitz in Rapperswil-Jona mit den beiden Gründern und Inhabern Claudius Röllin und Markus Gebert unterhalten.
Hostpoint: «Wir hatten den richtigen Riecher»
Sind mit Hostpoint stark in Rapperswil-Jona verwurzelt (v.l.): Claudius Röllin, Co-Gründer und CPO, und Markus Gebert, Co-Gründer und CEO. (Bilder: Manuela Matt, Zeljko Gataric Imhoff)
von Matthias Ackeret

Herr Gebert, Herr Röllin, vorerst herzliche Gratulation zu Ihrem Firmenjubiläum. Das Jahr 2020 war für die Welt nicht einfach. Welche Auswirkungen hatte die Pandemie auf Ihr Unternehmen?
Markus Gebert: Wir hatten Glück, wirtschaftlich tangierte uns Corona nicht negativ. 2020 war für Hostpoint also ein erfolgreiches Jahr. Die Herausforderungen stellten sich für uns vor allem auf organisatorischer Seite. Wir haben die Homeoffice-Empfehlung des Bundes sehr ernst genommen und haben schnell auf Heimarbeit umgestellt, was für uns als IT-Firma auch gut möglich war. Technische Schwierigkeiten stellten sich dabei eigentlich nur beim Callcenter, denn das war nicht auf den Betrieb im Homeoffice ausgelegt. Die grösste Herausforderung war aber – wie wohl bei den meisten Betrieben – die interne Kommunikation. Dabei stand immer die Frage im Vordergrund, wie wir die Mitarbeitenden am besten erreichen. Aus diesem Grund haben wir Hostpoint Meet, unsere eigene Videokonferenzlösung, eingeführt, die uns die Möglichkeit gab, gut und sicher zu kommunizieren.

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Es macht den Anschein, als wären – pointiert ausgedrückt – die IT-Firmen die «Krisengewinner» der ganzen Situation …
Gebert: Man ist nicht gerne Profiteur einer solchen Krise. Trotzdem hat das Internet in den letzten zwölf Monaten einen enormen Aufschwung erlebt. Aber die Medaille hat auch hier zwei Seiten. Sicher haben wir in unserem Geschäftsbereich E-Commerce von der Schliessung der Läden profitiert. Gleichzeitig wurde aber auch der Aufwand für die Kundenbetreuung viel grösser. Die Menschen sitzen zu Hause und setzen sich länger mit dem Internet und den digitalen Angeboten auseinander. Wir können nicht ausschliessen, dass die IT-Branche als nachgelagerter Dienstleister Konsequenzen spüren wird, wenn die Krise noch länger andauert.

Wird der digitale Hype nach der Pandemie wieder zurückgehen?
Claudius Röllin: Ich glaube, dass er bleiben wird. Viele Unternehmen haben während der Krise Websites oder Onlineshops eingerichtet, die weiter bestehen werden, zumal die Kosten für diese Dienstleistungen überschaubar sind.

«Unser Wachstum von 2020 zu 2021 entspricht prozentual ungefähr demjenigen zum Vorjahr»

Kann man dies in Zahlen ausdrücken? Um wie viel ist die Nachfrage nach gehosteten Websites angestiegen?
Gebert: Unser Wachstum von 2020 zu 2021 entspricht prozentual ungefähr demjenigen zum Vorjahr. Zufälligerweise lancierten wir kurz vor Ausbruch der Pandemie eine grosse Werbekampagne mit Plakaten, Print- und TV-Werbung. Deshalb ist es für uns sehr schwierig einzuschätzen, ob die Ursachen für den Zuwachs werbe- oder pandemiebedingt sind.

Bemerkenswert ist, dass Sie bei der Werbung vor allem auf bewährte Medien wie Plakat und Fernsehen gesetzt haben …
Röllin: Selbstverständlich sind wir ein IT-Unternehmen, und deshalb investieren wir auch viel in Onlinewerbung. Gleichzeitig erkennen wir aber die Chancen der Offlinemedien, eine Botschaft unter das Volk zu bringen. Bezeichnenderweise machen es die amerikanischen Techkonzerne nicht anders.

Sie mussten sich auch mit den politischen Folgen der Pandemie herumschlagen. So haben Sie drei Seiten von Corona-Skeptikern gesperrt. Warum haben Sie das gemacht?
Röllin: Grundsätzlich greifen wir nur ein, wenn es um eindeutig erkennbare und schwerwiegende Verstösse gegen das Strafrecht geht. Wir verstehen uns nicht als Richter, sondern als Dienstleister. In diesem Fall erhielten wir Informationen über Twitter, dass eine bei uns gehostete Website Inhalte enthielt, die zu Gewaltanwendungen gegen Politiker aufriefen. Damit lag ein klarer Verstoss gegen unsere AGB sowie gegen den branchenüblichen «Code of Conduct» der Swico vor. Wenn wir auf einen solch heftigen Verstoss aufmerksam gemacht werden, müssen wir selbstverständlich reagieren.

«Wir waren damals der Ansicht, dass wir das besser machen könnten»

Sprechen wir von Hostpoint. Sie haben vor genau 20 Jahren Ihr Unternehmen in Rapperswil-Jona gegründet, heute sind Sie Marktleader. Wie ist das überhaupt möglich?
Gebert: Wir hatten bereits vor der Gründung von Hostpoint eine andere Firma. Diese war vor allem auf die Entwicklung von Websites fokussiert. Mit dem Hosting-Geschäft sind wir über unsere Kunden, deren Websites wir betreuten, in Berührung gekommen. Damals erkannten wir, was in diesem Geschäft falsch läuft. Webhosting in der Schweiz war vor 20 Jahren sehr teuer und kaum automatisiert. Damals musste man teilweise noch den Telefonhörer in die Hand nehmen, um sich vom Provider eine E-Mail-Adresse einrichten zu lassen. Zudem war die Verwaltung der Websites kompliziert und aufwendig. Unter dem Strich wurde einem für sehr viel Geld sehr wenig geboten.

Dies gab den Ausschlag, eine eigene Firma zu gründen …
Gebert: Ja, wir waren damals der Ansicht, dass wir das besser machen könnten. Das war der Startschuss für Hostpoint. In der Folge gaben wir das Geschäft mit der Entwicklung von Websites auf und fokussierten ausschliesslich auf deren Hosting.

Es ist aussergewöhnlich, dass Sie sich von Rapperswil aus gegen alle internationalen Mitbewerber durchsetzen konnten und damit zur Nummer eins wurden …
Röllin: Fairerweise muss man einräumen, dass bei unserer Gründung der internationale Wettbewerb noch nicht so intensiv war wie heute. Die ersten zehn Jahre stammten unsere Mitbewerber aus der Region oder aus der restlichen Schweiz. Heute haben wir ganz verschiedene Mitbewerber in den unterschiedlichsten Bereichen, die sich zudem teilweise auf bestimmte Bereiche spezialisiert haben.

Also ein breites Angebot und Kundenfokus waren Ihr Erfolgsrezept …
Röllin: Ja, und vielleicht auch der richtige Riecher. Wir haben schon früh unsere Projekte beworben. Ich kann mich noch an eine Werbung von uns erinnern, auf der eine 10-Franken-Note abgebildet war. Diese war an einer Ecke eingeknickt und sollte so den damaligen Preis von 9.90 Franken symbolisieren. Und unser erstes Logo kreierten wir selbst. Nach zwei, drei Jahren engagierten wir die Zürcher Kreativagentur Malstube, die unseren ganzen Markenauftritt und unser bis heute bestehendes Logo entwickelte. Inzwischen werden wir weitgehend von einem Freelance-Grafiker und der Zürcher Agentur Gruber & Ianeselli betreut.



Lesen Sie das ausführliche Interview in der Mai-Ausgabe des Printmagazins «persönlich».

Hostpoint wurde 2001 von Sandro Bertschinger, Markus Gebert und Claudius Röllin in Rapperswil-Jona gegründet. Die Grundidee des Unternehmens war «Speicherplatz für Websites, die sich jeder leisten kann». 2017 übernahmen die beiden Co-Gründer Markus Gebert und Claudius Röllin das Unternehmen, das heute 75 Mitarbeitende beschäftigt, zu 100 Prozent.



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