20.11.2016

Helmi Sigg

«Das Buch ist ein Give-away für Hotelgäste»

Der Zürcher Komiker, Werbetexter und Autor hat nach der Berner nun auch die Zürcher Hotel-Trilogie abgeschlossen. Am Montag erscheint mit «Widder Blues» damit seine sechste Novelle. Der 63-Jährige sagt, weshalb er von zu Hause flüchtete und wie sein neustes Werk endet.
Helmi Sigg: «Das Buch ist ein Give-away für Hotelgäste»
Helmi Sigg hat seine dritte Zürcher Hotelgeschichte geschrieben. (Bild: Barbara Sigg)
von Christian Beck

Herr Sigg*, die Zürcher Hotel-Trilogie ist mit dem Erscheinen von «Widder Blues» abgeschlossen. Sind Sie erleichtert oder enttäuscht?
Ein Buch zu Ende zu schreiben, bringt dreimal grosse Freude. Zuerst, dass man einen Auftrag bekommt. Zweitens, wenn man es fertig geschrieben hat. Und schliesslich, wenn man sein Baby zum ersten Mal in den Händen hält. Das ist Erleichterung pur.

Sind Sie keine Spur enttäuscht, dass die Trilogie damit zu Ende ist?
Eine Trilogie zu schreiben ist schon grossartig. Aber es könnte auch eine Tetralogie werden. Wenn eine Anfrage kommt, werde ich sicher eine weitere Geschichte schreiben. Wenn nicht in Zürich, dann halt woanders. Eine Basler-, Luzerner- oder Bündner-Trilogie wäre selbstverständlich toll. Solange es Hotels gibt, gibt es auch Geschichten, das kann ich garantieren. Übrigens: Eine siebte Geschichte ist schon geschrieben, aber sie spielt ein wenig ausserhalb von unserer Grossstadt.

Die erste Zürcher Novelle «Dolderherz» war eine mystische Geschichte, «Storchenglück» eine heitere Gaunergeschichte. Und «Widder Blues»?
Wie es der Titel schon andeutet, ist es eine bluesig-jazzige Story. Es geht um Liebe, Leid und Leidenschaft. Genau wie in dieser Musik.

Können Sie den Inhalt kurz zusammenfassen?
Das Widder Hotel als Hauptschauplatz ist ein stetiger Platz zum Ankommen und wieder Weggehen. Dies trifft auf beide Protagonisten zu. Einer ist auf der Suche nach seinen Wurzeln und der andere auf der Flucht vor sich selbst. So treffen sie sich. Ja, Sie haben richtig geraten: In der Widder Bar.

Und es gibt ein überraschendes Ende…
Ja, sicher, aber das werde ich bestimmt nicht verraten. Nur das letze Wort: «…gegeben.»

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Das Buch ist auf den ersten Blick handlich – auf den zweiten Blick noch handlicher, weil es gleichzeitig auf Deutsch und Englisch ist. Weshalb eigentlich zweisprachig?
Gedacht sind diese Hotelgeschichten als Give-aways für gute Hotelgäste, also auch als ein nachhaltiges Marketingtool. Ein Buch verkörpert immer noch etwas Besonderes. Und so muss man auch die vielen englischsprachigen Gäste miteinbeziehen. Abgesehen davon kann man mit so einem «Flipp-Buch» auch noch seine Fremdsprachenkenntnisse testen und aufpeppen.

Hat die Geschichte nicht mehr hergegeben als 70 Seiten – oder gab es eine Längenbeschränkung?
Das Buch hat etwa Novellenlänge. Die Längenbeschränkung ist gewollt. Im Hotel gibt es immer ein wenig «tote» Zeit, man muss warten, ist im Spa, kann nicht einschlafen. Da eignet sich eine kurze Geschichte besser, als ein langer «Schinken». Ausserdem ist es auch eine Kostenfrage.

Die Hotels Storchen, Dolder und Widder kommen zu prominenten Auftritten. Sind alle Bücher PR-Geschichten?
Jein! Das Hotel ist, wie schon angetönt, Hauptschauplatz. Facts und Figures entsprechen den wirklichen Tatsachen, der Rest der Geschichte und die meisten Figuren sind aber frei erfunden. Der Wiedererkennungs-Effekt ist beabsichtigt. Aber alle Hotels haben keine Schere angesetzt. Die Einleitung in den «Widder Blues» beginnt sogar sehr dramatisch.

Wie war die Unterstützung seitens des Widder Hotels?
Grossartig. Ein paar Tage war ich Gast und durfte mich sozusagen überall frei bewegen, um so den «Spirit» ungefiltert zu erfahren. Man half mir bei den Recherchen, denn die Widder Bar ist um einiges älter als das tolle Hotel, das aus neun Häusern besteht.

Und auch Zürich Tourismus unterstützte Sie. Wie?
Zürich Tourismus war von Anfang an vom Hotelbuch-Projekt begeistert und amtierte als «Door-Opener». Und bot die nötige Unterstützung in allen Bereichen, damit diese drei Projekte realisiert werden konnten.

Geschrieben haben Sie das Buch nicht bei sich zu Hause in Oberrieden. Warum nicht?
Ich schreibe besser in einer fremden Umgebung. Wenn man seine Gedanken fliessen lässt, ist eine weisse Wand für mich nicht besonders inspirierend. Zu Hause lässt man sich leichter ablenken. An einem fremden Ort ist man gezwungen, sich hinzusetzen, nachzudenken und zu schreiben

Wohin zog es sie konkret in diesem Fall.
Viel schrieb ich im «Büro Züri» in der ZKB an der Bahnhofstrasse. Das ist wirklich ein grossartiger Platz. Man ist geschützt, draussen passiert irgendetwas, aber meistens nichts Besonderes, da kann man Geschichten spinnen. Ein weiterer wunderbarer Ort ist der kleine Park «Zur Frohen Aussicht» in meiner Gemeinde, hoch über dem Zürichsee, mit Holzbänken und Tischen. Unter Tags ist meistens niemand dort. Da kann den Blick schweifen lassen und die Gedanken bewegen sich in ganz anderen Gefilden. Aber nur bei schönem Wetter.


*Helmi Sigg war Radiomoderator, wurde mit Eden TV und dem Trio Eden legendär, war ein Murmeltier im Musical «Ewigi Liebi» und verkauft seine Fleischspezialität «Pastrelmi». Er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.



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