01.07.2021

Locarno Film Festival

Gesund aus der Krise zurückgekehrt

Langeweile verboten: Das Programm umfasst 203 Filme, darunter 97 Weltpremieren, 8 Schweizer Premieren und 19 Erstlingswerke.

Vom 4. bis 14. August steht die Piazza Grande in Locarno wieder im Zeichen des Films. Und wie – nach einer hybriden Ausgabe im letzten Jahr gehe das Locarno Film Festival gestärkt aus der Krise hervor, hiess es an der Programm-Medienkonferenz vom Donnerstag.

Künstlerisch, finanziell wie auch operativ gehe es dem Festival gut, sagte Marco Solari, Präsident des Locarno Film Festival in der aus dem Berner Kino Rex gestreamten Veranstaltung. Diese Stärke sei in erster Linie dem «Enthusiasmus des Teams» zu verdanken.

Dieses hat den letzten Monaten an seiner Vision gearbeitet, «die Seele der physischen Projekte in die digitale Welt zu übersetzen», wie es der operative Leiter Raphaël Brunschwig nannte. Will heissen: Das Locarno Film Festival will seine Community künftig nicht nur während der 11 Festivaltage im August, sondern auch darüber hinaus vereinen. Die Erfahrungen der hybriden Ausgabe 2020 hätten bei dieser Arbeit sehr geholfen – aber eben auch gezeigt, dass das physische Festival immer im Mittelpunkt stehen werde.

Blick auf das Schweizer Filmschaffen

Die Rückkehr ins Kino, die will der neue künstlerische Leiter Giona A. Nazzaro feiern. Langeweile sei am 74. Locarno Film Festival also verboten, sagte er. Das diesjährige Programm umfasst nach aktuellem Stand 203 Filme, darunter 97 Weltpremieren, 8 Schweizer Premieren und 19 Erstlingswerke. «Die Beziehung zum Film ist mit Corona unterbrochen worden, nicht aber die Produktion.» Und allein das Angebot im Internationalen Wettbewerb sei ein «Schaufenster für originelle Filme».

In dem Zusammenhang packte der 56-Jährige eine kleine Anekdote aus: Der Regisseur des isländischen Beitrags «Leynilögga» («Cop Secret»), Hannes Þór Halldórsson, sei nicht nur Filmemacher, sondern auch Fussball-Torwart, was man bei der Terminkoordination habe berücksichtigen müssen. Das Action-Drama feiert in Locarno Weltpremiere.

Mit «Soul of a Beast» von Lorenz Merz ist auch ein Schweizer Film im Rennen um den Goldenen Leoparden. Der Film erzählt von einem jugendlichen Vater, der sich in die Freundin seines besten Freundes verliebt. In den Hauptrollen sind unter anderem Ella Rumpf und Luna Wedler zu sehen.

Zwei Schweizer Koproduktionen nominiert

«Monte Verità – Der Rausch der Freiheit» von Stefan Jäger läuft als Weltpremiere auf der Piazza Grande. Der schweizerisch-österreichisch-deutsche Spielfilm erzählt von Aussteigern, die sich Anfang des 20. Jahrhunderts auf dem Schweizer Berg Monte Verità niederlassen. Darunter der Psychoanalytiker Otto Gross (gespielt von Max Hubacher) und Schriftsteller Hermann Hesse (Joel Basman).

Im Rahmen des Concorso Cineasti del presente werden dieses Jahr erstmals zwei weitere Preise vergeben – für die beste Regie und für die beste Darstellerin oder den besten Darsteller. In dieser Kategorie sind zwei Schweizer Koproduktionen nominiert: «Wet Sand» von Elene Naveriani (Schweiz/Georgien) und «Zahorí» vom Marí Alessandrini (Schweiz/Argentinien/Chile/ Frankreich).

Ort des Austauschs

Nicht nur der Film, die Rückkehr zu einer gewissen Normalität nach der hybriden Festivalausgabe vom vergangenen Jahr, sondern auch das Herzstück des Locarno Film Festival, die Piazza Grande, wird in diesem Jahr gefeiert. Der Open-Air-Schauplatz wurde vor 50 Jahren eröffnet. Im Rahmen der 74. Festivalausgabe kann die Piazza jeden Abend – unter voller Einhaltung der geltenden Massnahmen – bis zu 5000 Zuschauerinnen und Zuschauer aufnehmen.

Und sie soll zum Ort werden, an dem sich das Festivalpublikum unter anderem über die dringenden ökologischen Probleme und die Werte unserer Gesellschaft austauschen kann, teilten die Festivalveranstalter bereits in den letzten Wochen mit. Als Inspiration soll unter anderem die Weltpremiere von "Yaya e Lennie - The Walking Liberty" dienen. In dem Animationsfilm erzählt Regisseur Alessandro Rak von Menschen, die sich in einer apokalyptischen Zukunft bewegen.

Ebenfalls schon länger bekannt ist der Eröffnungsfilm des Festivals, «Beckett» von Ferdinando Cito Filomarino. Oder dass die französische Schauspielerin Laetitia Casta am selben Tag ihren Excellence Award Davide Campari 2021 persönlich entgegennimmt und der US-amerikanische Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler John Landis am 13. August den Pardo d'onore abholt.

Mit der US-amerikanischen Musikerin Kim Gordon (Sonic Youth) ist am Donnerstag eine weitere Prominente bekanntgegeben worden. Sie wird allerdings keinen Film vorstellen, sondern im Rahmen der Locarno Talks la Mobiliare über ihre Arbeit reden. (sda/eh)



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