27.09.2021

Thjnk

«Kreativität kann jede Frage beantworten»

Thjnk Zürich wurde am 1. Juni 2016 von Andrea Bison und Alexander Jaggy gegründet. Fünf Jahre später zählt das Unternehmen 20 Mitarbeitende und 15 Kunden, darunter Edelweiss und Credit Suisse. Wie macht man das? «persönlich» hat sich mit Stratege Gordon Nemitz unterhalten.
Thjnk: «Kreativität kann jede Frage beantworten»
Gordon Nemitz ist Stratege und Partner bei Thjnk. Der gebürtige Kölner arbeitete bei verschiedenen Agenturen in Deutschland. 2018 wechselte er zu Thjnk. (Bilder: Thjnk Zürich)
von Matthias Ackeret

Herr Nemitz, Ihre Agentur Thjnk feiert ihren fünften Geburtstag (persoenlich.com berichtete). Wie haben Sie diesen gefeiert?
Eine grosse, ausschweifende Party ist in der derzeitigen Situation eher fehl am Platz. Und es passt auch einfach nicht zu uns. Aber wir haben im Rahmen eines Agenturtags alle Kolleginnen und Kollegen endlich mal wieder zusammengebracht und gemeinsam in die Zukunft geschaut. Denn zu unserem Geburtstag haben wir uns ja einiges gegönnt: eine geschärfte Positionierung, eine überarbeitete CI, ein neues New-Work-Konzept sowie mit Thjnk 24/7 ein neues Marktangebot.

Die Branche befindet sich, wie alles andere, seit anderthalb Jahren im Ausnahmezustand. Hat sich die Werbung in dieser Zeit stark verändert?
Gerade nach dem ersten Lockdown gab es eine Schockstarre, bei der die ganze Branche für einen kurzen Moment stillstand. Niemand wusste, ob alle Geschäfte jetzt schliessen müssen und wie es weitergehen soll. Interessanterweise haben sich aber die meisten Agenturen schnell mit der neuen Situation abgefunden und sich entsprechend organisiert. Dies war auch bei uns der Fall. Anders beim zweiten Lockdown – denn abgesehen davon, dass alle wieder ins Homeoffice mussten, haben die neu gelernten Mechanismen sehr gut gegriffen, und man konnte die Entwicklungen und Herausforderungen etwas besser abschätzen.

Und werbetechnisch?
Natürlich gab es Kampagnen, die sich explizit mit dem Thema Corona beschäftigt haben, so beispielsweise diejenige für Pro Senectute, die wir gestalten durften. Als man feststellte, dass die Wertschätzung für ältere Menschen im Lockdown abgenommen hatte, erkannte man die Notwendigkeit von coronaspezifischer Kommunikation.

Fahren Sie fort.
Die Tatsache, dass viele Menschen von zu Hause aus arbeiten, war auch die Grundlage neuer Kampagnen, beispielsweise für Ikea, die es zu normalen Zeiten nicht gegeben hätte. Sicherlich gab es Veränderungen während der Krise, es ist aber nicht so, dass die Werbung während der letzten anderthalb Jahre in ihren Grundfesten erschüttert worden wäre und man neue Kommunikationswege finden müsste. Klar hat sich die Digitalisierung während Corona weiter beschleunigt, aber das inhaltliche Asset der Werbung, nämlich Geschichten zu erzählen, wurde nicht weiter berührt.

«Vor allem wussten wir, wie wir es nicht machen wollten.»

Während eines Grossteils ihrer bisherigen Existenz befand sich Thjnk in einer Ausnahmesituation …
Wir hatten bei der Agenturgründung 2016 eine Wachstumsstrategie und einen Businessplan erstellt, der – obwohl wir von Beginn an mit grossen Schritten unterwegs waren – nur kurzfristig ausgebremst wurde. Alexander Jaggy und Andrea Bison starteten 2016 wirklich zu zweit in einer ehemaligen Hufeisenfabrik an der Werdstrasse 109. Ich selbst kam etwas später dazu. Es war auch nicht so, dass wir von Anfang an ein Portfolio mit fünf Kunden gehabt hätten. Als ich Anfang 2018 von Wirz zu Thjnk wechselte, waren wir neun Leute – und der Groove des Unternehmens war immer noch sehr «start-upig». Dabei haben wir uns von Beginn an als «Grown-up-Start-up» verstanden, obwohl unsere Agentur tatsächlich in einer Art Pferdegarage begonnen hat (lacht).

Einzelseite

Was bedeutet das?
Grown-up-Start-up heisst, dass wir in der Denke, den Prozessen und der Arbeit anders vorgehen, dabei aber mit einem grossen Rucksack an Erfahrung ausgestattet sind. Schliesslich kamen wir alle von grossen Agenturen, mussten also die Branche nicht mehr neu erfinden, sondern hatten bereits eine Ahnung, wie die Mechanismen des Marketings funktionieren. Vor allem wussten wir, wie wir es nicht machen wollten.

Sie wollten also alles besser machen …
Vielleicht eher anders und damit auch ein bisschen besser – so, dass es für uns passt. Wir wollten einen Ort kreieren, an dem die Leute gerne sind. Wir sind mit Thjnk nicht angetreten, um uns nach zwei, drei Jahren wieder neu zu orientieren, sondern um diese Agenturmarke langfristig zu prägen und zu entwickeln. Thjnk ist unser Baby, das wir bei seinem Schritt ins Erwachsenenalter begleiten wollen. Unsere Devise war von Beginn an, die Erfahrung aus anderen Agenturen mitzunehmen, aber so anzuwenden, dass es für uns alle besser funktioniert. Wenn man unsere Mitarbeitenden und Wegbegleiter betrachtet, glaube ich, dass wir heute etwas anbieten können, was sehr attraktiv ist.

«Kreativität ist der Versuch, auf Fragen und Problemstellungen Antworten zu finden, die neu sind.»

Was ist denn die DNA von Thjnk?
Wir haben unseren Purpose definiert und dabei hinterfragt, wer wir eigentlich sind und was wir wollen. Dabei haben wir unsere eigenen Skills sehr genau analysiert. Auf inhaltlicher Ebene glauben wir daran, dass Kreativität jede Frage beantworten kann – was bedeutet, dass wir versuchen, auf alle Problemstellungen unserer Kunden und Auftraggeber eine kreative Antwort zu finden. Dies hat zur Folge, dass die Kreativität in einem weiteren Rahmen wahrgenommen wird und nicht ausschliesslich den Kreativen gehört.

Was heisst das konkret?
Unser Output soll nicht «l’art pour l’art» sein und sich nicht nur auf die kreative Konzeption beschränken, sondern er erstreckt sich auch auf die Strategie und die nachgelagerte Aussteuerung der Kommunikation. Auch dort sehen wir den Mehrwert, den Kreativität bietet. Zudem wollen wir unsere Kunden über den ganzen Prozess hinweg begleiten. Unser Setup, wonach Kreation, Strategie und Beratung auf Augenhöhe eine gemeinsame – kreative – Lösung suchen, zeigt den Weg, den wir beschreiten.

Doppelseite Mittarbeiter

Wie definieren Sie Kreativität?
Das ist eine sehr schwierige Frage. Auf einen Kürzestnenner gebracht: Kreativität ist der Versuch, auf Fragen und Problemstellungen Antworten zu finden, die neu sind. Dies geschieht durch einen Perspektivenwechsel oder eine neue Art zu denken. Wir versuchen, uns in die Rolle des Kunden hineinzuversetzen.

Ein Beispiel?
Im Vorfeld der Unternehmerkampagne der Credit Suisse haben wir uns mit Start-ups und KMU unterhalten und dabei festgestellt, dass die Problemlage eine ganz andere ist, als man allgemein denken könnte. Dabei scheuen wir uns nicht davor, die Vorgaben des Auftraggebers zu hinterfragen. Bei der CS ist dies gelungen. Die Headline «Denken Sie hier an ein Arzneimittel? Warum nicht.» auf unserem Hanfblatt-Sujet symbolisierte dies. Es repräsentiert die unternehmerische Denke viel besser als das typische Bild des Banker-Unternehmer-Handschlags. Am Ende sind die Unternehmerinnen und Unternehmer die Helden der Kampagne und nicht der Auftraggeber. Dies sind die Momente, in denen Kreativität auch im Detail spielt.

 


Das ganze Interview mit Gordon Nemitz lesen Sie in der aktuellen Printausgabe von «persönlich».



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