29.06.2021

Ringier

Blick verzichtet auf Erotik-Inserate

«Ruf an», «Triff mich»: Am Mittwoch erscheinen die Sex-Kleinanzeigen zum letzten Mal in der Boulevardzeitung. Auch auf blick.ch gibt es diese Art Inserate nicht mehr. Dadurch verzichtet die Blick-Gruppe auf Einnahmen in der Höhe von rund einer Million Franken pro Jahr.
Ringier: Blick verzichtet auf Erotik-Inserate
Fordern auf, eine kostenpflichtige Telefonnummer anzurufen: die Erotik-Inserate im Blick. (Bild: persoenlich.com/cbe)
von Christian Beck

«Heidi, allein und einsam», eine «versaute Bäuerin» oder die «giggerige Oma»: Sie alle werben im Blick auf der Erotik-Seite darum, eine mehr oder weniger teure Telefonnummer anzurufen. Doch damit ist bald Schluss, wie persoenlich.com weiss. Am Mittwoch erscheint nicht nur die Kolumne «Fux über Sex» zum letzten Mal, auch die erotischen Kleininserate werden zum letzten Mal abgedruckt.

«Der Blick meint es ernst mit seiner Neupositionierung, inhaltlich in allen Bereichen. Was auf blick.ch schon seit einiger Zeit nicht mehr passiert, ist nunmehr auch im gedruckten Blick die neue Realität», sagt Johanna Walser, Chief Communications Officer bei Ringier, auf Anfrage. Solche Werbung sei nicht mehr zeitgemäss, wenn man verstärkt Frauen ansprechen und seine Zielgruppe erweitern möchte.

Katia Murmann, Chief Product Officer Blick-Gruppe, ergänzt gegenüber persoenlich.com: «Blick als Marke steht heute für Information, Einordnung und Unterhaltung, aber auch für Diversität, wie unsere Initiative EqualVoice zeigt. Im Rahmen dieser Transformation gehört es dazu, dass man bestimmte Dinge nicht mehr macht. Dazu gehört die Publikation von Erotik-Werbung. Das passt einfach nicht mehr zum Blick in 2021.»

Einnahmequelle trocknet aus

Mit dem Verschwinden der Erotik-Werbung aus dem gedruckten Blick versiegt auch eine Einnahmequelle. «Durch den Verzicht auf Erotik-Inserate in Print und Digital verzichten wir auf bis zu einer Million Franken pro Jahr», sagt Johanna Walser weiter. Mit neuen Werbekunden im Digital-Bereich habe dieses Defizit kompensiert werden können. Nun hofft Ringier, dass dies auch im Print der Fall sein wird.

Auch der eine oder andere Leser könnte nun darauf verzichten, am Kiosk einen gedruckten Blick zu kaufen, um in den einschlägigen Inseraten zu schmökern. Aber: «Zu Verlusten im grösseren Umfang wird die Entscheidung, auf Erotik-Anzeigen zu verzichten, nicht führen», ist Walser überzeugt. «Unsere Leserinnen und Leser suchen auf blick.ch oder im gedruckten Blick nicht gezielt nach Erotik-Inseraten.» Überhaupt liefere der Blick genügend andere Gründe, ihn zu lesen: «Die heutige Ausgabe nach dem gestrigen Sieg der Nati ist der beste Beweis dafür.»

Auch Katia Murmann beobachtet einen Wandel: «Digital haben wir schon heute ein anderes Zielpublikum als im Print. Das schlägt sich auch in einem veränderten Themenangebot nieder. Auf blick.ch interessieren sich unsere Leserinnen und Leser verstärkt für Auslandsthemen, Nachhaltigkeit, Immobilien oder Lifehacks.»

Die Blick-Gruppe baut ihre Berichterstattung rund um die Themen Leben, Wissenschaft, Kultur, Trends, Partnerschaft und Sexualität aus. Dazu schafft sie per 1. Juli das Ressort «Gesellschaft». Gleichzeitig geht aber auch die Tradition der Sex-Beratung nach gut 40 Jahren zu Ende (persoenlich.com berichtete).



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Kommentare

  • Adolf Kellenberger, 30.06.2021 19:35 Uhr
    Was ist mit dem Tagesanzeiger? genau die gleichen Anzeigen wie im Blick,- über Jahrzehnte
  • Hans Grau, 29.06.2021 14:12 Uhr
    Die meisten Erotik-Inserate im BLICK waren sowieso nur Fake!
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