16.07.2021

Unwetter-Sommer 2021

«Das ist Service public pur»

Anlässlich der ungewöhnlichen Wetter- und Hochwassersituation strahlt das Schweizer Fernsehen am Freitagabend eine Sondersendung aus. Stillt SRF damit einfach die Sensationsgier? Der verantwortliche Produzent Stefan Reinhart nimmt Stellung.
Unwetter-Sommer 2021: «Das ist Service public pur»
«Wir gehen dorthin, wo wir die Lage am besten abbilden können», sagt Stefan Reinhart, verantwortlicher Produzent der Sondersendung «Unwetter-Sommer 2021». (Bilder: SRF/Oscar Alessio)
von Christian Beck

Herr Reinhart, findet SRF Gefallen an Sensationsjournalismus?
Wie kommen Sie auf die Idee?

Wie sorgen Sie dafür, dass die Sondersendung vom Freitag vor allem Informationen liefert und nicht nur die Schaulustigen befriedigt?
Extreme Wetterereignisse betreffen sehr viele Menschen – und für viele in den Krisenregionen sind sie sogar bedrohlich. Darum berichten wir darüber. Und zwar sauber wie immer – mit vielen wissenschaftlichen Einschätzungen. Auch ein Hydrologe wird im Studio sein – und wir schalten zu den Korrespondentinnen und Korrespondenten. Das ist Service public pur.

Ich habe jeweils nicht das Gefühl, dass SRF sehr schnell mit Sondersendungen auf ein Thema reagiert. Hier muss die Lage also sehr ernst sein …
Eben weil wir genau nicht Sensationsjournalismus betreiben wollen, überlegen wir es uns gut. In Sondersendungen müssen und wollen wir noch mehr Vertiefung bieten als in unseren Struktursendungen und online. Wir haben jeden Tag fast zwei Stunden News auf dem Sender und online rund um die Uhr. Solange die Lage war wie anfangs Woche, konnten wir das in den News-Sendungen abbilden.

«Wir sind rund um die Uhr im Einsatz»

Ich behaupte: Weil Sie bemerkt haben, dass Sie mit der Sondersendung «Unwetter-Sommer 2021» bereits etwas spät sind, haben Sie kurzerhand am Donnerstagabend auch noch eine kürzere Sendung ausgestrahlt. Oder wie kam das so spontan zustande?
Wir sind immer in Kontakt, sind rund um die Uhr im Einsatz. Wir haben die Pegel beobachtet, mit den Kolleginnen von «Meteo» Rücksprache genommen – und gesehen, dass wir schon am Donnerstag mit einer Sondersendung eingreifen müssen.

Korrespondentinnen und Korrespondenten hatten bereits am Donnerstag von verschiedenen Schauplätzen aus berichtet und werden es am Freitag erneut tun (persoenlich.com berichtete). Wie haben Sie die Locations ausgewählt?
Wir gehen dorthin, wo wir die Lage am besten abbilden können. Unsere Korrespondentinnen und Korrespondenten sind sehr mobil, wechseln ihre Positionen immer wieder.

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Werden die Zuschauerinnen und Zuschauer in der grossen Sondersendung vor allem überschwemmte Uferböschungen sehen?
Sie werden vor allem erfahren, wie die Lage ist – und Einschätzungen von den Experten im Studio erhalten. Zum Beispiel spricht Moderatorin Monika Schoenenberger über den mäandrierenden Jetstream, der für die aktuelle Wetterlage zuständig ist. Interessantes Thema, oder?

Zweifelsohne. Und werden Sie auch der Frage nachgehen, was der Unterschied zwischen Wetter und Klima ist?
Ja, das haben wir diese Woche in den Struktursendungen gemacht – und werden das wieder tun.

Schalten Sie auch zum Beispiel nach Zürich, wo in der Nacht auf Dienstag einzelne Quartiere von einem heftigen Sturm getroffen wurden? Oder ist «nur» das Hochwasser Thema?
Zürich bilden wir eher in Beiträgen ab. Aber das kann sich ändern – je nach Wetterlage.

«Wir produzieren sehr schlank»

Wie gross ist der technische Aufwand? Wie viel Personal haben Sie an jedem der Schauplätze?
Wir produzieren sehr schlank. Früher brauchte es für eine Schaltung einen Übertragungswagen. Heute arbeiten wir mit sogenannten LiveUs, das sind Geräte mit mehreren SIM-Karten drin – quasi Super-Telefone mit vierfacher Kraft.

Und im warmen und trockenen Studio wird Monika Schoenenberger Gäste empfangen. Können Sie schon Namen verraten, wer am Freitag im Studio sein wird?
Gesetzt ist bis jetzt nur unser Haus-Meteorologe Felix Blumer.

Was erhoffen Sie sich persönlich von der Sondersendung «Unwetter-Sommer 2021»?
Die Menschen mit Informationen zu beliefern, News im klassischen Sinn. Seriös und gleichzeitig attraktiv.



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