22.01.2022

Coronavirus

Rüffel für die Medien von Ueli Maurer

Der Bundesrat kritisiert die Berichterstattung der Medien während der Corona-Pandemie. Der Druck aus den Medien habe in der Schweiz dazu geführt, dass Massnahmen in einem vielleicht unnötigen Ausmass verschärft wurden.
Coronavirus: Rüffel für die Medien von Ueli Maurer
«Ich weiss, dass Journalisten Medienkritik schlecht vertragen», so Bundesrat Ueli Maurer in einem Interview mit der Aargauer Zeitung. (Bild: Keystone/Anthony Anex)

«Omikron führt kaum zu schweren Krankheitsverläufen, darum kann man schrittweise normalisieren», sagt der Zürcher Bundesrat Ueli Maurer im Interview mit der Aargauer Zeitung.

Im Nachhinein könne man sich fragen, ob man zu lange mit der Normalisierung gewartet habe. «Für mich beruhte die Politik immer auf drei Säulen: Gesundheit schützen, wirtschaftliche Folgen abfedern, Gesellschaft am Leben erhalten.» Anfänglich sei es fast nur um die Gesundheit gegangen, inzwischen würden andere Fakten mitberücksichtigt.

Das Virus sei mutiert und schiene nicht mehr so gefährlich. «Wenn sich dieser Befund bestätigt, kann man alle Massnahmen aufheben. Die ersten Trends stimmen zuversichtlich, aber um dies zu entscheiden, ist es noch zu früh», warnt der Bundesrat.

Maurer reagiert kritisch auf den Hinweis, dass sich die Warnung des BAG, dass gleichzeitig bis 10 bis 15 Prozent der Arbeitskräfte infiziert sein könnten, nicht zu erfüllen scheine. «Wenn die Experten solche Szenarien entwerfen, wird in den Medien oft nur der schlimmstmögliche Fall dargestellt. Das ergibt ein zu einseitiges Bild. Aber die Medien brauchen halt jeden Tag eine Schlagzeile.»

«Verschärfungshype» durch Mediendruck

Die Medien hätten leider sehr zu dieser Misere beigetragen, weil sie nur das Schlimmste pflegten. «Der Schaden, den die Medien angerichtet haben, ist nicht zu unterschätzen. Bundesrat, Parlament und Kantone beschlossen nicht zuletzt unter diesem Druck Massnahmen, die im Rückblick vielleicht nicht im jeweiligen Umfang nötig gewesen wären. Das ist mein Vorwurf an die Medien.»

Die Frage, ob der Bundesrat sich von den Medien leiten lasse, weist Ueli Maurer zurück. Die Medien trügen jedoch logischerweise zur Meinungsbildung in der Öffentlichkeit und leider auch in den Behörden bei. Das beeinflusse die Stimmungslage.

«Der mediale Druck auf die Politik wurde enorm, es entstand nicht nur beim Bundesrat ein Verschärfungshype. Gezielte, differenzierte Massnahmen wie der Schutz vulnerabler Gruppen waren fast nicht mehr möglich, nein: Es musste generell geschlossen und verschärft werden.»

Den Einwand der Interviewer, dass sich die Menschen dank der Medien vielleicht eigenverantwortlicher und vorsichtiger verhalten hätten, so dass in der Schweiz keine rigiden staatlichen Massnahmen nötig wurden, lässt der Bundesrat nicht gelten. «Ich weiss, dass Journalisten Medienkritik schlecht vertragen (lacht). Lassen wir's.» (sda/cbe)



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Kommentare

  • Maja Ziegler, 25.01.2022 11:19 Uhr
    Die Reaktionen der Medienschaffenden zeigen, dass sie nicht kritikfähig sind. Sie verherrlichen und beweihräuchern sich selbst und spielen sich als die 4. Macht auf, die sie bei weitem nicht sind. BR Mauer kritisiert stets objektiv und ohne persönlich zu werden. Er legt keine Schleimspur und biedert sich den Medien nicht an. Das zeigt, dass er Rückgrat hat und wahrhaftig ist.
  • Urs Hofstetter, 24.01.2022 09:22 Uhr
    Ja, klar. "Die Medien". Wenn ich früher in der Schule eine ungenügende Note nach Hause brachte und sagte, die Anderen seien nicht viel besser gewesen, hiess es: "Aber du bist nicht die Anderen". Stimmt. Und genauso wenig sind einzelne Medien "Die Medien". (Urs Hofstetter, Radio Argovia)
  • Monika Helbling, 21.01.2022 17:26 Uhr
    Da wurde wohl die Büchse der Pandora geöffnet. Dass die Medien vom Bund unterstütz werden ist ja bekannt. Auch, dass die Medien den Bund in der Corona Panikmache unterstützen weiss seit der Aussage von Ringier Chef Walder wohl mittlerweile die ganze Schweiz. Und plötzlich wird nun den Medien der Schwarze Peter zugeschoben. Wird interessant, wer sich nun nach bis nach aus dem ganzen Corona Schlammassel ziehen will und einen Sündenbock sucht.
  • Erich Heini, 21.01.2022 14:31 Uhr
    Pauschalisierend 'die Medien' zu prügeln, ist schon immer und überall die Methode jener Politiker gewesen, denen es an Argumenten fehlt.
  • Rudolf Penzinger, 21.01.2022 13:55 Uhr
    Ich glaube, der Druck aus bestimmten, Maurer näher stehenden Teilen der Wirtschaft auf die Politik war zu allen Zeiten grösser als der "mediale Druck". Wenn etwas nicht zu unterschätzenden Schaden anrichtet, sind es dumme Sprüche aus dem Mund eines "Magistraten": Kuhglockgeläut aus den Hinterzimmern des Bundeshauses!
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